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Jagd im Stadtwald – eine Glaubensfrage?

Unserem Stadtwald ging es schon mal wesentlich besser: Im letzten Jahr haben ihm Sturm Friederike, die anhaltende Dürre und der Borkenkäfer mächtig zugesetzt. Die Aufräumarbeiten dauern bis heute an und schon jetzt kann man sagen, dass den vorgenannten Ereignissen mindestens 20.000 Erntefestmeter Holz zum Opfer gefallen sind. Das ist fast das Fünffache der jährlichen, planmäßigen Einschlagmenge!

Ein leidiges Dauerthema sind die anhaltend hohen Verbissschäden an Jungpflanzen, vorwiegend durch Rehwild. 50.000 Bäume sind in den letzten 30 Jahren verbissen worden. Buchen kommen mit den Rehen gut klar. Bei Eichen und Linden sieht es beispielsweise anders aus: Ohne zusätzlichen Schutz haben die keine Chance und der Wald wird dadurch insgesamt nicht nur kahler, sondern auch monotoner.

Eine Möglichkeit diesen Verbissschäden vorzubeugen, ist das großräumige Einzäunen von Baumbeständen, um das Rehwild draußen zu halten. Das ist teuer und zerschneidet Lebensräume für viele wildlebende Tiere. Aus unserer Sicht daher nur bedingt eine Option. Eine weitere Möglichkeit ist die zielgerichtete Bejagung (Sorry, leider haben wir noch nicht genügend Wölfe, die hier einspringen könnten 😉)

Bisher wurde der Stadtwald stets traditionell an Jäger verpachtet. Die gesetzliche Mindestvertragslaufzeit für Jagdverpachtungen beträgt derzeit 9 Jahre. Die Pächter führen Ihre Jagden autonom durch. Die Einflussmöglichkeiten der Stadt auf das Jagdgeschehen und somit auf den eigenen Wald sind daher gering. Unser Stadtförster kann sich daher auch von der Stadt organisierte Verwaltungsjagden, wie die Vergabe von Pirschbezirken mit einer kürzeren Vertragslaufzeit (z.B. 3 Jahre) oder die Ausgabe von Jagderlaubnisscheinen vorstellen, zusammen mit der Vorgabe von Quoten und einer individuellen Erfolgskontrolle. Wir haben diesen Vorschlag in der letzten Sitzung des Hauptausschusses aufgegriffen und vorgeschlagen, eine Verwaltungsjagd in einem Waldbezirk für drei Jahre zu erproben – erfolglos.

Eine tiefergehende Diskussion im Hauptausschuss scheiterte leider schon daran, dass der einzige Fachmann mit einem Gesamtüberblick über unseren Stadtwald -unser Stadtförster- nicht in der Sitzung angehört wurde. Seine fachliche Meinung wurde seitens der CDU -so wörtlich- als “Glaubensfrage” abgetan und nicht weiter beachtet. Schließlich sei alles gut.

Es hat mit der Geschichte von #Salzkotten zu tun, dass unsere Stadt als waldarmes Gebiet zählt. Wenn wir unseren ohnehin kleinen Stadtwald schützen, erhalten und auch zukünftig noch nutzen wollen, müssen wir anders mit ihm umgehen. Fachlich fundierte und faktenbasierte Entscheidungen wären hier ein wichtiger, erster Schritt.

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