Gemeinsame Schule bis 10 in Salzkotten – Ein Plädoyer

(AB) Seit der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000 wissen wir, dass die Selektion beim Übergang zur weiterführenden Schule vor allem eine soziale ist – Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien haben es demnach sehr viel schwerer eine Empfehlung fürs Gymnasium zu bekommen als Kinder aus sogenannten bildungsnahen Familien. Auch der UN-Sonderbeauftragte Muñoz bemängelte dies.

Bei den Schulstudien schneiden deutsche Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich schlecht ab. (Außer im Bereich Grundschule. Liegt das daran, dass hier noch nicht selektiert wird?)

Hierfür gibt es drei mögliche Ursachen:

1. Deutsche Kinder sind dümmer als andere. Das wird keiner ernsthaft annehmen.

2. Zu viele Kinder wurden nach der Grundschule „zu hoch“ eingestuft. Dann müssten aber auch mehr Abitur machen als in anderen Ländern – das Gegenteil ist der Fall. In Schweden besuchen zum Beispiel 90% eines Jahrgangs die Sekundarstufe II. Trotzdem schneidet Schweden bei den Bildungstests besser ab.

Also bleibt nur noch eine Möglichkeit:

3. Das deutsche Bildungssystem schafft es nicht, alle Kinder optimal zu fördern.

In einer Gesellschaft, die inzwischen ihr Hauptkapital aus Wissen bezieht, können wir es uns aber nicht leisten, auf potentielle Leistungsträger zu verzichten. Daher fordert Bündnis 90 / Die Grünen schon seit längerer Zeit eine Schule für alle: Die Gemeinsame Schule bis zur 10. Klasse. Damit soll verhindert werden, dass aus den falschen Gründen selektiert wird.

Schubladendenken?

Schon der Begriff „Dreigliedriges Schulsystem“ ist irreführend; er blendet die Sonderschule aus.

Im NRW-Wahlkampf hat die CDU versucht, das grüne Modell als „sozialistische Einheitsschule“ darzustellen. Man könne nicht alle Kinder in eine Schublade packen. Darauf stellt sich zum einen die Frage: Sind denn 4 Schubladen besser? Bildungsministerin Sommer spricht davon, „für jedes Kind die passende Schulform“ finden zu wollen. Muss das Kind passend gemacht werden oder die Schule?

Zum anderen scheint die NRW-CDU das Konzept dieser neuen Schule nicht verstanden zu haben. Natürlich kann an einer „Gemeinsamen Schule“ der Unterricht nicht mehr so funktionieren wie bisher. Das Konzept Frontalunterricht (die Lehrperson erklärt und stellt Fragen, die SchülerInnen antworten) hat ausgedient. Statt dessen sind neue Methoden gefragt, die aber nicht neu erfunden werden müssen, da sie in anderen Ländern oder zu einem Großteil in den deutschen Grundschulen schon angewandt werden: Konsequente Gruppenarbeit, Wochenpläne etc. Allen gemeinsam ist, dass die nicht die gesamte Klasse über einen Kamm geschoren wird, sondern jedes Kind seinen für sich optimalen Lernweg finden kann.

Was bedeutet das für Salzkotten?

Die CDU in Salzkotten träumt schon lange von einem Gymnasium. Man grämt sich, dass eine aufstrebende Stadt auf dem Weg zum Mittelzentrum kein solches Prestigeobjekt vorweisen kann. Aber leider scheint mittelfristig keine Möglichkeit zur Realisierung in Sicht zu sein – zum einen ist eine ganz neue Schule, die keine alte ersetzt, kaum genehmigungsfähig (auch aufgrund der demographischen Entwicklung), zum anderen ist ein Gymnasium schlichtweg nicht bezahlbar – allein der Neubau würde mehrere Millionen kosten, Folgekosten nicht eingerechnet.

Wenn Salzkotten aber doch eine gymnasiale Oberstufe haben soll, warum werden nicht die bestehenden Sekundarschulen umgebaut? Natürlich ist dies kurzfristig nicht machbar, der Weg für eine Gemeinsame Schule ist noch nicht frei. Die aktuelle Landesregierung hat die Chancen dieses Modells noch nicht erkannt. Aber langfristig ist eine solche Schule für Salzkotten realistischer als ein Gymnasium.

Viele Städte in NRW machen es derzeit bereits vor. Aufgrund fallender Schülerzahlen werden bestehende Schulen zu „Stadtteilschulen“ umgestaltet, die nichts anderes sind als Gesamtschulen. Allerdings bleibt das Gymnasium hier oft bestehen – zu stark ist die Lobby. Hier werden Chancen vertan.

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